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Marketing in Zeiten von Corona? Ja, aber ...

So sollten kleine Unternehmen und Selbständige in der Corona Krise Marketing machen

Marketingmaßnahmen in Krisenzeiten wie diesen - macht das Sinn? Diese Frage stellen sich nicht nur Konzerne und Mittelständler, sondern auch kleine Unternehmen und Selbstständige, von denen viele ganz besonders unter der Corona Krise leiden und sich teilweise in ihrer Existenz bedroht sehen.

Wer nicht wirbt, der stirbt

“Wer nicht wirbt, der stirbt”, heißt es und das gelte ganz besonders in Krisenzeiten, meint Martin Römhild, Chef der Münchner Agentur Ephny, in einem Gastbeitrag für Horizont Online: “Gutes Marketing trommelt nicht nur in guten Zeiten und legt in schlechten Zeiten die Hände in den Schoß.” 

Für Konzerne, die ihre geplanten Messe-Budgets nun kurzerhand in andere Kanäle investieren, mag das stimmen. Aber wie konkret kann Marketing in der Corona Krise für kleine Unternehmen und Selbstständige aussehen? Dafür wollen wir Ihnen im Folgenden einige Beispiele und Tipps geben.

1. Bedürfnisse der Kunden neu überdenken

Ein “weiter wie bisher” macht vermutlich in den allerwenigsten Fällen Sinn. Schon allein deshalb, weil die Bedürfnisse der meisten Menschen, ganz andere sind, als gewöhnlich. Während der Frühlingsbeginn normalerweise mit einem verstärkten Interesse an sozialem Miteinander, Veranstaltungen und Aktivitäten im Freien einhergeht, sind das aktuell alles Themen, die gerade NICHT im Fokus stehen.

Bevor Marketingmaßnahmen geplant und durchgeführt werden, sollte Sie daher erst einmal die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe unter den aktuellen Bedingungen überdenken.

Womit beschäftigt sich diese gerade? Welchen Herausforderungen sieht sie sich gegenüber? Und welche Ihrer Produkte können in dieser Situation helfen? Diese gilt es nun in den Fokus des Marketing zu rücken, auch wenn es normalerweise vielleicht ganz andere wären.

Beispiel: Sportartikelhandel

Während Sportartikelhändler im Frühling in der Regel vermehrt Produkte für Sportarten im Freien bewerben und das Thema Fußball durch die anstehende Fußball EM besonders im Fokus gestanden hätte, heißt es nun umdenken. All diejenigen, die normalerweise in Fitnessstudios, Vereinen und Gruppen Sport treiben, brauchen nun Alternative. Viel sinnvoller ist es also, Produkte in den Fokus zu rücken, die sich für sportliche Aktivitäten in den eigenen vier Wänden eignen. Das können Yogamatten genauso sein wie Hanteln oder Fitnessräder.

2. Die Produkte der Corona Krise anpassen

Viele von Ihnen sind vermutlich nicht in der “komfortablen” Situation, dass Sie aus Ihrem Produktsortiment nur die passenden Produkte auswählen und in den Fokus stellen müssen. Denn gerade Selbstständige und kleine Unternehmen haben häufig ein sehr eingeschränktes Produkt- oder Leistungsportfolio. Und die Corona-Krise kann dazu führen, dass dies nun ganz einfach unpassend oder nicht mehr gefragt ist.

Es reicht also nicht, nur die richtigen Produkte auszuwählen und zu bewerben. Vielmehr sollten Sie darüber nachdenken, ob es möglich ist, Ihr Produkt der Krise anzupassen. Das mag in vielen Fällen nicht möglich sein, oftmals geht das aber sehr wohl, wenn man nur ein bisschen darüber nachdenkt. 

Wir zeigen Ihnen ein paar Beispiele auf, wie Selbstständige und kleine Unternehmen in der Corona-Krise Ihre Produkte und Dienstleistungen an die Bedürfnisse Ihrer Kunden anpassen können:

Beispiel: Vortragsredner oder Fortbildungsinstitut

All diejenigen, die ihr Geld mit Veranstaltungen verdienen, sind von der Corona-Krise besonders betroffen. Wenn das Publikum nicht mehr zusammenkommt, muss man es auf anderen Wegen erreichen. Insbesondere wenn es um das Thema Weiterbildung geht, liegt eLearning voll im Trend. Wer sich damit bislang nicht beschäftigt hat, sollte dies nun nachholen und überlegen, wie er seine Themen über audiovisuelle Kanäle an seine Kunden herantragen kann. Auch nach der Krise kann er von diesen zusätzlichen Vertriebswegen möglicherweise profitieren.

Beispiel: Fotograf

Wer als Fotograf auf Hochzeiten oder Business-Veranstaltungen fotografiert, hat es gerade schwer. Für Veranstaltungen, die ausfallen, bleibt im Anschluss möglicherweise keine Kapazität, wenn der Terminkalender ohnehin gut gefüllt ist. Die Dienstleistung lässt sich nicht so ohne weiteres der Krise anpassen, hier muss etwas mehr um die Ecke gedacht werden. So könnten Sie als Fotograf möglicherweise Online-Lehrgänge konzipieren, in denen Sie Laien die wichtigsten Grundlagen der Fotografie vermitteln, damit deren eigene Fotos besser werden. Oder Sie konzipieren ein Webinar für Fotografen-Kollegen, in dem Sie Ihre Expertise im Bereich Kundengewinnung oder Marketing vermittelt.

Beispiel: Personal Trainer

Normalerweise trainiert ein Personal Trainer mit seinen Kunden im Fitness Studio oder im Freien. Social Distance, geschlossene Sportstätten und möglicherweise baldige Ausgangssperren lassen das nun nicht mehr zu. Um Kunden weiterhin zufrieden zu stellen, legen Sie den Fokus nun auf Heimtraining, erarbeiten spezielle Sportprogramm für zu Hause und können diese bei ihren Klienten sogar per Video Chat verfolgen. Außerdem nehmen Sie das Thema Ernährung ins Visier - denn neue Ernährungsgewohnheiten lassen sich aktuell sehr gut etablieren, da man ohnehin die meiste Zeit zu Hause verbringt.

Weitere Beispiele

Wer einen solchen Produktwandel innerhalb kürzester Zeit bereits vollzogen hat, ist die App “Rausgegangen”, die Veranstaltungen wie Konzerte bewirbt - ein Markt, der nun völlig wegbricht. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, haben die Macher kurzerhand ein neues Produkt auf den Markt gebracht: die App Dringeblieben. Darüber können Künstler Konzerte per Live-Streaming zu den Nutzern nach Hause ins Wohnzimmer bringen.

Auch wenn Sie zunächst denken mögen, dass Ihr Unternehmen nur Nachteile durch die Krise hat: Überlegen Sie, an welcher Stelle es vielleicht doch möglich ist, weiterhin geschäftstätig sein. Kann ein lokaler Buchladen, der sein Geschäft schließen muss, seinen Kunden anbieten, telefonische Bestellungen anzunehmen und kostenlos nach Hause zu liefern? Ist es möglich, dass ein Restaurant ausnahmsweise außer Haus Verkauf anbietet, damit die Küche weiter in Betrieb ist? Können Optiker Ihren Stammkunden Brillen zum Anprobieren nach Hause schicken? Natürlich gilt in allen Fälle, dass individuell geprüft werden muss, was im rechtlichen Rahmen überhaupt möglich ist. Dazu können wir an dieser Stelle keine Aussagen treffen.

3. Content zu den Themen, die gerade bewegen

Wird es Ausgangssperren geben? Wie läuft das diesjährige Abitur? Und wie kann ich vermeiden, dass ich mich mit dem Corona Virus anstecke? Das sind die großen Fragen, die sich viele aktuell stellen. Aber diese sollten Sie NICHT beantworten. Dafür gibt es Experten.

Viele weitere Fragen aber spielen eine ebenfalls große Rolle für viele von uns. Zum Beispiel: 

  • Wie kann ich im Home Office produktiv arbeiten?

  • Wie kann ich meine Kinder beschäftigen, jetzt wo sie ihre Freunde nicht treffen dürfen?

  • Wie kann ich dafür sorgen, dass in unserer Familie nicht ständig die Nerven blank liegen?

  • Wie kann ich die Zeit, die ich sonst draußen oder mit Freunden verbringen würde, sinnvoll nutzen?

  • Wie kann ich dafür sorgen, dass mein Unternehmen in der Corona Krise nicht untergeht?

  • Wie kann ich Alten und Kranken in meiner Familie Zuneigung schenken, wenn ich sie nicht besuchen darf?

  • Wie schaffe ich es körperlich fit zu bleiben, auch wenn ich nicht raus gehen darf?

Die ein oder andere dieser Fragen können Sie sicherlich beantworten. Sei es, weil sie passende Produkte oder fachliche Expertise diesbezüglich haben oder ganz einfach persönliche Erfahrungswerte.

Dann sollten Sie das machen! Stellen Sie Ihre Expertise zur Verfügung, indem Sie entsprechende Inhalte erstellen, die Sie über Ihre Webseite oder sonstige Kanäle verbreiten. Und falls Sie passende Produkte oder Dienstleistungen haben, dann dürfen und sollten Sie diese selbstverständlich anbieten.

Beispiel: Softwareunternehmen gibt Tipps fürs Homeoffice

Millionen Arbeitgeber schicken Ihre Mitarbeiter deutschlandweit ins Home Office - ohne dass das vor Corona gelebte Praxis war. Entsprechend viele Fragen und Schwierigkeiten tauchen aktuell auf: Ist die Sicherheit von Kundendaten im Home Office gewährleistet? Welche Tools eignen sich, um die Teamarbeit aufrechtzuerhalten? Wie kann ich sicher sein, dass meine Mitarbeiter von zu Hause überhaupt arbeiten und nicht auf der faulen Haut liegen? 

Unternehmen, die das Thema Remote Work bereits in der Vergangenheit gelebt haben, sind nun zu Experten für all diejenigen geworden, die sich aktuell gezwungenermaßen damit auseinandersetzen. Nutzen Sie dieses Expertentum und teilen Ihr Wissen im Rahmen Ihres Content Marketing!

Beispiel: Reisebüro regt zum Träumen an

Unternehmen in der Tourismusbranche sind von der Corona Krise besonders hart getroffen. Es gilt eine weltweite Reisewarnung, aktuell kann niemand erahnen, wann Urlaubsreisen wieder zum normalen Alltag gehören werden. Aktuell einzelne Reisen zu bewerben, erscheint wenig sinnvoll und auch das benötigte Budget dürfte fehlen.

Gerade deshalb ist Content Marketing für diese Branche sinnvoll. Erstellen Sie Inhalte rund ums Reisen, und stellen diese auf Ihrer Webseite zur Verfügung. Besonders wichtig sind Inhalte rund um Reisestornierungen und Reiserücktrittversicherungen. Sie können aber auch Reiseziele inhaltlich vorstellen und dazu anregen, vom Reisen zu träumen und eine Liste der eigenen Traumreiseziele zu erstellen, die man besuchen will, wenn der ganze Spuk endlich vorbei ist.

Freebies

Sogenannte Freebies sind eine spezielle Form des Content Marketing, die dazu beitragen, neue Zielgruppen zu erreichen und langfristig Kunden zu gewinnen. Auch hier werden Inhalte unterschiedlichster Art kostenlos zur Verfügung gestellt - meist für eine bestimmte Gegenleistung, beispielsweise die E-Mail-Adresse, mit der man sich für einen Newsletter registriert.

Für solche Freebies gibt es aktuell sehr viel Potenzial, beispielsweise wenn man in den Bereich der Kinderbeschäftigung in Zeiten von geschlossenen Kitas und Schulen blickt. So bietet der Basketball-Bundesligist ALBA Berlin auf Youtube eine tägliche Sportstunde für Kinder an, so dass diese auch zu Hause ausreichend Bewegung erfahren.

Die Spiel- und Lerndesignerinnen Ruth und Anne Löwenstein stellen auf Ihrer Webseite Geschwister Löwenstein täglich eine Bastel- und Spielidee zum kostenlosen Download bereit. Gleiches macht der Online-Bastelshop Labbé

Darum lohnt sich Content Marketing

Content Marketing unterstützt Sie auf zweifache Weise: Zum einen stellen Sie Ihren Kunden kostenfrei Ihr Wissen zur Verfügung und binden Sie somit an Ihr Unternehmen. Zum anderen sorgt Content Marketing dafür, dass Ihr Unternehmen über Suchmaschinen gefunden wird. Auf diese Art machen Sie neue Zielgruppen auf sich aufmerksam, die ansonsten nicht auf Sie gestoßen wären. Gerade wenn Sie aktuell mit Umsatzeinbußen zu kämpfen haben, sollten Sie die Zeit also nutzen und dafür zu sorgen, dass Sie nach der Krise von Ihren Kunden gefunden werden.

4. Das eigene Google MyBusiness Profil updaten

Apropos gefunden werden: Lokale Händler und Gastronomie-Betriebe, aber auch alle sonstigen Unternehmen mit festem Standort, an dem Kunden empfangen werden, sollten ein Google My Business Profil erstellen. In den Google Suchergebnissen werden diese Profile prominent dargestellt. Stellen Sie dort möglichst viele Informationen zu Ihrem Business zur Verfügung, insbesondere auch Fotos! Ein Google MyBusiness Profil können Sie kostenlos erstellen und profitieren davon in jedem Fall.

Wer bereits ein Google MyBusiness Profil hat, der sollte die Daten nun unbedingt auf Aktualität überprüfen. Denn gerade jetzt, wo eine allgemeine Unsicherheit zu Öffnungszeiten herrscht, sollten Sie Ihre eigenen Öffnungszeiten immer aktuell halten. Nichts frustriert Kunden mehr, als wenn Sie nach einer Google Recherche davon ausgehen, dass Sie geöffnet haben, und dann vor verschlossenen Türen stehen.

5. Erreichen Sie die Menschen zu Hause

Ob man will oder nicht: Im Moment ist praktisch jeder zu Hause. Wenn Sie Ihre Kunden oder potenzielle Neukunden ansprechen, dann sollten Sie genau das im Hinterkopf haben. 

Wenn Sie Kunden im B2B haben, dann bedeutet das, dass Sie sie nicht wie gewohnt im Büro erreichen. Sowohl die telefonische Kontaktaufnahme als auch die per Post sind also wenig sinnvoll, weil die Wahrscheinlichkeit, niemanden zu erreichen, groß ist. Setzen Sie im B2B also lieber ausschließlich auf digitale Kanäle, das erhöht die Chancen, dass Sie Ihre Zielgruppe erreichen.

Bei Privatkunden sieht die Lage anders aus. Hier kann es gerade sinnvoll sein, Kontakt per Post aufzunehmen, beispielsweise mit einer ansprechenden Postkarte. Denn wenn der Weg zum Briefkasten der einzige ist, der am Tag vor die Tür führt, dann wird die Freude groß sein, wenn auch etwas darin liegt. Auch telefonisch sind die meisten Kunden derzeit wohl besser erreichbar denn je.  Aber hier gilt es, sich streng an die gesetzlichen Regelungen zu halten, wann die telefonische Kontaktierung von Privatkunden überhaupt zulässig ist.

Nicht nur bei der Auswahl des Kanals sollten Sie berücksichtigen, dass Sie Ihre Zielgruppe zu Hause erreichen, sondern auch bei den Inhalten, mit denen Sie sie kontaktieren. Wenn Online-Händler Bestellungen eine Überraschung für vermutlich gelangweilte Kinder beilegen oder eine Sprüche-Postkarte, die ein Lächeln ins Gesicht zaubert und ihren Weg an den Kühlschrank findet, dann sind das Kundenbindungsmaßnahmen, die sich langfristig auszahlen werden.

6. Social Media Kanäle nutzen

Wie das Magazin Pressesprecher unlängst berichtete, sorgt Corona für einen Social Media Boom. Kein Wunder, sind soziale Kontakte im “echten” Leben stark eingeschränkt. Soziale Netzwerke werden also verstärkt genutzt, um Kontakte aufrecht zu erhalten. 

Unternehmen sind daher gut beraten, Ihre eigenen Aktivitäten in sozialen Netzwerken aufzubauen oder zu verstärken. Das gilt sowohl für Kanäle wie Facebook oder Instagram, als auch für Plattformen, die im Business-Umfeld genutzt werden, also insbesondere LinkedIn und Xing. Gerade Unternehmen, die normalerweise über Messen und sonstige Veranstaltungen Kontakte aufbauen und pflegen, werden sich nun vermehrt in sozialen Netzwerken bewegen.

Bei der Ansprache neuer Kontakte ist allerdings Vorsicht geboten: Sie wissen nicht, ob diese ebenso motiviert wie Sie am Schreibtisch sitzen oder sich um einen Corona-Patienten im Familienumfeld sorgen. Daher gilt hier genauso wie bei der Ansprache über alle anderen Kanäle: Seien Sie behutsam.

7. Auf Kundenbindung setzen

Mit Marketingmaßnahmen erreicht man neue Kunden - so die landläufige Meinung. Dabei wird ein ganz wichtiger Teil des Marketing vergessen: Die Kundenbindung. 

In Marketingmaßnahmen zu investieren, die die eigenen Kunden halten, ist nicht nur in Krisenzeiten wie diesen wirtschaftlich sehr viel sinnvoller, als immer nur auf die Gewinnung von Neukunden zu setzen. Aktuell aber ist es das ganz besonders. 

Daher sollten Sie bei allem, was Sie gerade tun, Ihre bestehenden Kunden im Blick behalten. Und zwar auch dann, wenn Ihre Produkte in der aktuellen Krise an Relevanz verlieren. 

Verschwinden Sie nicht in der Versenkung, bleiben Sie sichtbar. Früher oder später wird wieder “Normalität” herrschen und spätestens dann sollen Ihre Kunden sich an Sie erinnern!

Kundenbindung - das kann in diesen Zeiten ganz verschiedenes heißen. Grundsätzlich geht es darum, zu seinen Kunden Kontakt zu halten und sie zu informieren. Sorgen Sie also dafür, dass sie auf Ihrer Webseite, am Telefon und über sonstige Kanäle Antworten auf die Fragen erhalten, die sie sich gerade stellen. Und scheuen Sie sich nicht davor von sich aus den Kontakt zu den Kunden zu suchen, um sie über die aktuelle Lage im Unternehmen informiert zu halten. Selbst wenn Sie unsicher sind, ob die Infos in drei Tagen noch zutreffen, ist es besser einmal mehr als einmal weniger mit den Kunden zu kommunizieren.

Kundenbindung bedeutet auch, kulant zu sein. Auch dann, wenn das aus Unternehmenssicht in diesen Zeiten nicht immer ganz einfach ist, weil Sie selbst in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Aber was bringt es einem Hochzeits DJ sein Honorar einzufordern, wenn die Hochzeit nicht stattfindet? Darüber erhält er garantiert keine Empfehlungen, die neue Kundenaufträge sichern. Viel besser wäre es also, auf das Honorar zu verzichten und darauf zu setzen, im Anschluss an die Krise zu einem neuen Hochzeitstermin beauftragt zu werden. Sinnvoll kann es auch sein, mit den Kunden eine Anzahlung zu vereinbaren, die über den finanziellen Engpass hinweg hilft und den Kunden im Anschluss einen Rabatt bei der zweiten Rate gewährt.

Auch bei Gutscheinen und Umtauschfristen sollten Sie Ihren Kunden gegenüber kulant sein - das bringt Ihnen langfristig auf jeden Fall sehr viel mehr, als wenn Sie jetzt auf Ihr Recht pochen.

Und wer es sich leisten kann, der lasse sich von Aktionen inspirieren, die beispielsweise die Deutsche Telekom gemacht hat: So schenkt die Deutsche Telekom ihren Mobilfunkkunden in der Corona-Krise 10 Gigabyte Datenvolumen extra pro Monat.

8. Neue Zielgruppen ins Visier nehmen

Auch wenn wir uns hier für Kundenbindung stark machen, bedeutet das natürlich nicht, dass man die Gewinnung von Neukunden während der Corona-Krise vollkommen außer acht lassen sollte.

Vielmehr kann es Sinn machen, Kundengruppen ins Visier zu nehmen, die bisher nicht zur eigenen Zielgruppe gehörten. Denn die Veränderungen im Alltag erfordern von vielen Menschen neue Verhaltensweisen.

So ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass beispielsweise Lebensmittel-Lieferanten ganz neue Kundengruppen erschließen werden - ganz einfach deshalb, weil aus Angst vor Ansteckung viele Kunden nicht mehr in die Ladengeschäfte gehen. Auch an vielen anderen Stellen wird der Online-Handel neue Kunden gewinnen, weil lokale Geschäfte geschlossen sind.

Diese neuen Kundengruppen aber kann man nicht ohne weiteres so behandeln wie Kunden aus den bisherigen Zielgruppen. Denn es gibt triftige Gründe dafür, dass man diese Menschen bisher nicht für die eigene Leistung gewinnen konnte. Gerade ältere Menschen, die im Online-Handel bisher weniger aktiv waren, bedürfen nun also einer besonderen Behandlung. Andernfalls wird man sie langfristig nicht zu den eigenen Kunden zählen können. 

Überlegen Sie daher besondere Maßnahmen, wie Sie beispielsweise durch telefonische Begleitung neue Kundengruppen an Ihr Unternehmen heranführen können.

9. Den eigenen Arbeitsalltag im Marketing thematisieren

Neben allem anderen, was die Corona-Krise bewirkt, ist sie auch ein verbindendes Element in der Gesellschaft. Wir alle sind in irgendeiner Weise von ihr betroffen. Für jeden einzelnen gelten Beschränkungen und der Alltag hat sich für jeden irgendwie verändert. 

Dieses verbindende Element können Sie nutzen. Zeigen Sie Ihren Kunden, dass auch Ihr Unternehmen von der Krise betroffen ist. Kommunizieren Sie ehrlich, erzählen Sie von Schwierigkeiten und davon, wie Sie diese bewältigen, um die Kunden zu bedienen. 

Einerseits geht es darum, Ihren Kunden ein beruhigendes Gefühl zu geben, indem Sie deutlich machen, dass Sie gewappnet sind, dass Sie so professionell arbeiten, dass jeder Kunde sich bei Ihnen weiterhin gut aufgehoben fühlen kann.

Auf der anderen Seite dürfen Sie aber auch Schwächen zeigen, die deutlich machen, dass es Ihnen nicht anders geht, als Ihren Kunden selbst. Posten Sie Bilder aus dem Home Office, zeigen Sie, wie Sie improvisieren. Wenn Sie Telefonate führen oder ein Webinar halten, dann entschuldigen Sie sich doch gleich vorweg für mögliches Kindergeschrei im Hintergrund, weil Sie aus dem Home Office arbeiten.

Zeigen Sie sich also nahbar und beziehen dabei Ihre Mitarbeiter mit ein. Danken Sie Ihnen öffentlich für Ihren Einsatz, lassen Sie Ihre Kunden an deren neuem Arbeitsalltag teilhaben und machen Sie somit Ihre Mitarbeiter zu Markenbotschaftern für Ihr Unternehmen.

10. Neue Kanäle ausprobieren

E-Mail, Pinterest, Post, Instagram, LinkedIn, Messen, Webinare, Podcast, Xing, Facebook, YouTube … Es gibt so unglaublich viele Kanäle, die man fürs Marketing nutzen kann, dass es mehr als sinnvoll ist, sich auf einige wenige zu beschränken - gerade dann, wenn man Selbstständiger oder kleines Unternehmen ist.

Die Kanäle, für die Sie sich bisher entschieden haben, sind nun möglicherweise aber nicht mehr die richtigen, um in der Corona-Krise Ihr Geschäft am Laufen zu halten. Daher sollten Sie sich ganz bewusst die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, neue Kanäle zu erschließen, 

Und dann sollten Sie genau dies auch TUN! Auch wenn die aktuelle Situation durchaus lähmend erscheinen mag: Halten Sie dagegen und wagen Neues, sehen Sie die Krise in dieser Hinsicht als Chance.

Auf der einen Seite sind es vor allem diverse digitale Kanäle, die Sie für sich erschließen sollten. Denn digital sind Menschen aktuell am besten zu erreichen. Mancher Kanal kann sogar dabei helfen, das eigene Produkt so anzupassen, dass es in diesen Zeiten weiterhin vertrieben werden kann. Beispielsweise können Berater, die in der Regel persönlichen Kundenkontakt pflegen, sei es in Einzelcoachings oder in Form von Workshops und Fortbildungen, diese Angebote nun in digitaler Form weiterhin anbieten. Dies eröffnet einen völlig neuen Geschäftszweig - möglicherweise auch über Corona hinaus. 

Auch audiovisuelle Inhalte wie Erklärvideos können als Kanal einen echten Mehrwert bieten. Insbesondere für Anbieter von erklärungsbedürftigen Produkten kann dieser sehr sinnvoll sein und steht sicherlich auch schon auf irgendeiner Liste mit Dingen, die Sie mal angehen wollten, wenn mal Zeit ist. Egal ob gerade Zeit ist oder nicht: Der Zeitpunkt ist auf jeden Fall der richtige, um einen solchen neuen Kanal auszuprobieren 

Auf der anderen Seite passen auch analoge Kommunikationskanäle wie die Post sehr gut zur aktuellen Krise. Der Blick in den Briefkasten hat in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen eine andere Bedeutung bekommen. Viele Menschen können in der Entschleunigung, die die Krise zwangsläufig mit sich bringt, auch etwas positives sehen. Und selbst die Kanzlerin hat in Ihrer Fernsehansprache die Idee aufgebracht, doch mal wieder einen Brief zu schreiben, um Menschen auch mit Abstand nahe zu sein. 

Warum den Kunden als nicht eine Postkarte schicken, die Mut macht und zum Lächeln bringt? Mit digitalen Plattformen wie EchtPost lassen sich solche postalischen Mailings auch von Selbstständigen und Kleinunternehmern mit geringem Aufwand professionell verschicken.

Übrigens: Wer neue Kanäle testet, der bekommt jetzt den sogenannten Welpenbonus. Wenn es beim ersten Webinar beispielsweise technische Schwierigkeiten gibt, wenn der Ton fehlt oder das Bild wackelt, dann wird man Ihnen das kaum übel nehmen. Wer normalerweise als unprofessionell gelten würde, bei dem drückt man aktuell gerne zwei Augen zu - weiß doch jeder selbst, wie schwierig die aktuelle Situation ist.

11. Nicht MIT Corona werben

In Zeiten von Corona Werbung zu machen, ist das eine. Mit Corona selbst Werbung zu machen und so die Krise für die eigene Profitabilität zu nutzen, ist eine ganz andere Sache und sollte unbedingt unterlassen werden. Diverse Werbeplattformen haben bereits deutlich gemacht, dass Kampagnen, in denen Panik verbreitet wird oder die darauf abzielen, dass Unternehmen sich durch die Corona Krise bereichern, nicht geduldet werden.

Fazit: Eine allgemeingültige Lösung gibt es nicht

Ob und wie Sie als kleines Unternehmen aktuell Marketing betreiben sollten, dafür gibt es keine klare Antwort. Denn zu unterschiedlich ist die Situation, in der wir alle uns gerade befinden. 

Während die Produkte des einen in der Krise einen Aufschwung erleben, hat der andere mit riesigen Umsatzeinbußen zu kämpfen. 

Während die Kunden des einen voller Optimismus das beste aus der aktuellen Situation machen, sind die Kunden des anderen voller Ängste und Sorgen. 

Und während der eine von Ihnen allein im Homeoffice ohnehin am produktivsten arbeiten kann, liegen beim anderen die Nerven blank, weil drei Kinder nebenher betreut werden wollen. 

Wichtig in allen Fällen aber ist: Stecken Sie den Kopf nicht in den Sand, bleiben Sie sichtbar - so gut das eben aktuell möglich ist. Und bleiben Sie nicht stehen, sondern treffen Sie Entscheidungen. Sven Schmidt, Geschäftsführer von Maschinensucher.de rät im OMR-Podcast: „Man muss jetzt Entscheidungen treffen. Und lieber trifft man zehn Entscheidungen, auch wenn einige davon falsch sind, als gar keine.“ 

Versuchen Sie also, die Zeit für Ihr Unternehmen zu nutzen. So gut es geht. Und wenn es keinen Sinn macht, Ihre Produkte und Leistungen aktuell zu bewerben, dann nutzen Sie die Zeit für andere Dinge rund ums Marketing. 

Der Präsident des Deutschen Marketing Verband (DMV) Dr. Ralf Strauß sagt im Interview mit der absatzwirtschaft: “Marketing- und Vertriebsverantwortliche in ganz Europa haben uns immer wieder gemeldet, dass sie einen extremen Rückstand an Themen und Projekten haben, weil sie keine Zeit finden, sie anzupacken, wie etwa die Entwicklung einer neuen Marketing-Organisation, das Überdenken des Kompetenzrasters im Marketing oder auch aller Konzepte rund um das Customer Experience Management … vielleicht ist das Drücken der „virusbedingten Stopp-Taste“ ein guter Anlass, diese Themen einmal aufzugreifen und ihnen Zeit zu widmen.”

Uns bleibt zum Abschluss nur zu sagen:

Bleiben Sie optimistisch. Und vor allem: Bleiben Sie gesund!

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