Marketingmaßnahmen in Krisenzeiten wie diesen - macht das Sinn? Diese Frage stellen sich nicht nur Konzerne und Mittelständler, sondern auch kleine Unternehmen und Selbstständige, von denen viele ganz besonders unter der Corona Krise leiden und sich teilweise in ihrer Existenz bedroht sehen.
"Wer nicht wirbt, der stirbt", heißt es und das gelte ganz besonders in Krisenzeiten, meint Martin Römhild, Chef der Münchner Agentur Ephny, in einem Gastbeitrag für Horizont Online: "Gutes Marketing trommelt nicht nur in guten Zeiten und legt in schlechten Zeiten die Hände in den Schoß."
Für Konzerne, die ihre geplanten Messe-Budgets nun kurzerhand in andere Kanäle investieren, mag das stimmen. Aber wie konkret kann Marketing in der Corona Krise für kleine Unternehmen und Selbstständige aussehen? Dafür wollen wir dir im Folgenden einige Beispiele und Tipps geben.
1. Bedürfnisse der Kunden neu überdenken
2. Die Produkte der Corona Krise anpassen
3. Content zu den Themen, die gerade bewegen
4. Das eigene Google MyBusiness Profil updaten
5. Erreiche die Menschen zu Hause
6. Social Media Kanäle nutzen
7. Auf Kundenbindung setzen
8. Neue Zielgruppen ins Visier nehmen
9. Den eigenen Arbeitsalltag im Marketing thematisieren
10. Neue Kanäle ausprobieren
11. Nicht MIT Corona werben
Fazit
Ein "weiter wie bisher" macht vermutlich in den allerwenigsten Fällen Sinn. Schon allein deshalb, weil die Bedürfnisse der meisten Menschen, ganz andere sind, als gewöhnlich. Während der Frühlingsbeginn normalerweise mit einem verstärkten Interesse an sozialem Miteinander, Veranstaltungen und Aktivitäten im Freien einhergeht, sind das aktuell alles Themen, die gerade NICHT im Fokus stehen.
Bevor Marketingmaßnahmen geplant und durchgeführt werden, solltest du daher erst einmal die Bedürfnisse deiner Zielgruppe unter den aktuellen Bedingungen überdenken.
Womit beschäftigt sich diese gerade? Welchen Herausforderungen sieht sie sich gegenüber? Und welche deiner Produkte können in dieser Situation helfen? Diese gilt es nun in den Fokus des Marketing zu rücken, auch wenn es normalerweise vielleicht ganz andere wären.
Während Sportartikelhändler im Frühling in der Regel vermehrt Produkte für Sportarten im Freien bewerben und das Thema Fußball durch die anstehende Fußball EM besonders im Fokus gestanden hätte, heißt es nun umdenken. All diejenigen, die normalerweise in Fitnessstudios, Vereinen und Gruppen Sport treiben, brauchen nun Alternative. Viel sinnvoller ist es also, Produkte in den Fokus zu rücken, die sich für sportliche Aktivitäten in den eigenen vier Wänden eignen. Das können Yogamatten genauso sein wie Hanteln oder Fitnessräder.
Viele von euch sind vermutlich nicht in der "komfortablen" Situation, dass ihr aus eurem Produktsortiment nur die passenden Produkte auswählen und in den Fokus stellen müsst. Denn gerade Selbstständige und kleine Unternehmen haben häufig ein sehr eingeschränktes Produkt- oder Leistungsportfolio. Und die Corona-Krise kann dazu führen, dass dies nun ganz einfach unpassend oder nicht mehr gefragt ist.
Es reicht also nicht, nur die richtigen Produkte auszuwählen und zu bewerben. Vielmehr solltest du darüber nachdenken, ob es möglich ist, dein Produkt der Krise anzupassen. Das mag in vielen Fällen nicht möglich sein, oftmals geht das aber sehr wohl, wenn man nur ein bisschen darüber nachdenkt.
Wir zeigen dir ein paar Beispiele auf, wie Selbstständige und kleine Unternehmen in der Corona-Krise ihre Produkte und Dienstleistungen an die Bedürfnisse ihrer Kunden anpassen können:
All diejenigen, die ihr Geld mit Veranstaltungen verdienen, sind von der Corona-Krise besonders betroffen. Wenn das Publikum nicht mehr zusammenkommt, muss man es auf anderen Wegen erreichen. Insbesondere wenn es um das Thema Weiterbildung geht, liegt eLearning voll im Trend. Wer sich damit bislang nicht beschäftigt hat, sollte dies nun nachholen und überlegen, wie er seine Themen über audiovisuelle Kanäle an seine Kunden herantragen kann. Auch nach der Krise kann er von diesen zusätzlichen Vertriebswegen möglicherweise profitieren.
Wer als Fotograf auf Hochzeiten oder Business-Veranstaltungen fotografiert, hat es gerade schwer. Für Veranstaltungen, die ausfallen, bleibt im Anschluss möglicherweise keine Kapazität, wenn der Terminkalender ohnehin gut gefüllt ist. Die Dienstleistung lässt sich nicht so ohne weiteres der Krise anpassen, hier muss etwas mehr um die Ecke gedacht werden. So könntest du als Fotograf möglicherweise Online-Lehrgänge konzipieren, in denen du Laien die wichtigsten Grundlagen der Fotografie vermittelst, damit deren eigene Fotos besser werden. Oder du konzipierst ein Webinar für Fotografen-Kollegen, in dem du deine Expertise im Bereich Kundengewinnung oder Marketing vermittelst.
Normalerweise trainiert ein Personal Trainer mit seinen Kunden im Fitness Studio oder im Freien. Social Distance, geschlossene Sportstätten und möglicherweise baldige Ausgangssperren lassen das nun nicht mehr zu. Um Kunden weiterhin zufrieden zu stellen, lege den Fokus nun auf Heimtraining, erarbeite spezielle Sportprogramme für zu Hause und kannst diese bei deinen Klienten sogar per Video Chat verfolgen. Außerdem nimmst du das Thema Ernährung ins Visier - denn neue Ernährungsgewohnheiten lassen sich aktuell sehr gut etablieren, da man ohnehin die meiste Zeit zu Hause verbringt.
Wer einen solchen Produktwandel innerhalb kürzester Zeit bereits vollzogen hat, ist die App "Rausgegangen", die Veranstaltungen wie Konzerte bewirbt - ein Markt, der nun völlig wegbricht. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, haben die Macher kurzerhand ein neues Produkt auf den Markt gebracht: die App Dringeblieben. Darüber können Künstler Konzerte per Live-Streaming zu den Nutzern nach Hause ins Wohnzimmer bringen.
Auch wenn du zunächst denken magst, dass dein Unternehmen nur Nachteile durch die Krise hat: Überlege, an welcher Stelle es vielleicht doch möglich ist, weiterhin geschäftstätig zu sein. Kann ein lokaler Buchladen, der sein Geschäft schließen muss, seinen Kunden anbieten, telefonische Bestellungen anzunehmen und kostenlos nach Hause zu liefern? Ist es möglich, dass ein Restaurant ausnahmsweise außer Haus Verkauf anbietet, damit die Küche weiter in Betrieb ist? Können Optiker ihren Stammkunden Brillen zum Anprobieren nach Hause schicken? Natürlich gilt in allen Fällen, dass individuell geprüft werden muss, was im rechtlichen Rahmen überhaupt möglich ist. Dazu können wir an dieser Stelle keine Aussagen treffen.
Wird es Ausgangssperren geben? Wie läuft das diesjährige Abitur? Und wie kann ich vermeiden, dass ich mich mit dem Corona Virus anstecke? Das sind die großen Fragen, die sich viele aktuell stellen. Aber diese solltest du NICHT beantworten. Dafür gibt es Experten.
Viele weitere Fragen aber spielen eine ebenfalls große Rolle für viele von uns. Zum Beispiel:
Wie kann ich im Home Office produktiv arbeiten?
Wie kann ich meine Kinder beschäftigen, jetzt wo sie ihre Freunde nicht treffen dürfen?
Wie kann ich dafür sorgen, dass in unserer Familie nicht ständig die Nerven blank liegen?
Wie kann ich die Zeit, die ich sonst draußen oder mit Freunden verbringen würde, sinnvoll nutzen?
Wie kann ich dafür sorgen, dass mein Unternehmen in der Corona Krise nicht untergeht?
Wie kann ich Alten und Kranken in meiner Familie Zuneigung schenken, wenn ich sie nicht besuchen darf?
Wie schaffe ich es körperlich fit zu bleiben, auch wenn ich nicht raus gehen darf?
Die ein oder andere dieser Fragen kannst du sicherlich beantworten. Sei es, weil du passende Produkte oder fachliche Expertise diesbezüglich hast oder ganz einfach persönliche Erfahrungswerte.
Dann solltest du das machen! Stelle deine Expertise zur Verfügung, indem du entsprechende Inhalte erstellst, die du über deine Webseite oder sonstige Kanäle verbreitest. Und falls du passende Produkte oder Dienstleistungen hast, dann darfst und solltest du diese selbstverständlich anbieten.
Millionen Arbeitgeber schicken ihre Mitarbeiter deutschlandweit ins Home Office - ohne dass das vor Corona gelebte Praxis war. Entsprechend viele Fragen und Schwierigkeiten tauchen aktuell auf: Ist die Sicherheit von Kundendaten im Home Office gewährleistet? Welche Tools eignen sich, um die Teamarbeit aufrechtzuerhalten? Wie kann ich sicher sein, dass meine Mitarbeiter von zu Hause überhaupt arbeiten und nicht auf der faulen Haut liegen?
Unternehmen, die das Thema Remote Work bereits in der Vergangenheit gelebt haben, sind nun zu Experten für all diejenigen geworden, die sich aktuell gezwungenermaßen damit auseinandersetzen. Nutze dieses Expertentum und teile dein Wissen im Rahmen deines Content Marketing!
Unternehmen in der Tourismusbranche sind von der Corona Krise besonders hart getroffen. Es gilt eine weltweite Reisewarnung, aktuell kann niemand erahnen, wann Urlaubsreisen wieder zum normalen Alltag gehören werden. Aktuell einzelne Reisen zu bewerben, erscheint wenig sinnvoll und auch das benötigte Budget dürfte fehlen.
Gerade deshalb ist Content Marketing für diese Branche sinnvoll. Erstelle Inhalte rund ums Reisen und stelle diese auf deiner Webseite zur Verfügung. Besonders wichtig sind Inhalte rund um Reisestornierungen und Reiserücktrittversicherungen. Du kannst aber auch Reiseziele inhaltlich vorstellen und dazu anregen, vom Reisen zu träumen und eine Liste der eigenen Traumreiseziele zu erstellen, die man besuchen will, wenn der ganze Spuk endlich vorbei ist.
Sogenannte Freebies sind eine spezielle Form des Content Marketing, die dazu beitragen, neue Zielgruppen zu erreichen und langfristig Kunden zu gewinnen. Auch hier werden Inhalte unterschiedlichster Art kostenlos zur Verfügung gestellt - meist für eine bestimmte Gegenleistung, beispielsweise die E-Mail-Adresse, mit der man sich für einen Newsletter registriert.
Für solche Freebies gibt es aktuell sehr viel Potenzial, beispielsweise wenn man in den Bereich der Kinderbeschäftigung in Zeiten von geschlossenen Kitas und Schulen blickt. So bietet der Basketball-Bundesligist ALBA Berlin auf Youtube eine tägliche Sportstunde für Kinder an, so dass diese auch zu Hause ausreichend Bewegung erfahren.
Die Spiel- und Lerndesignerinnen Ruth und Anne Löwenstein stellen auf ihrer Webseite Geschwister Löwenstein täglich eine Bastel- und Spielidee zum kostenlosen Download bereit. Gleiches macht der Online-Bastelshop Labbé.
Content Marketing unterstützt dich auf zweifache Weise: Zum einen stellst du deinen Kunden kostenfrei dein Wissen zur Verfügung und bindest sie somit an dein Unternehmen. Zum anderen sorgt Content Marketing dafür, dass dein Unternehmen über Suchmaschinen gefunden wird. Auf diese Art machst du neue Zielgruppen auf dich aufmerksam, die ansonsten nicht auf dich gestoßen wären. Gerade wenn du aktuell mit Umsatzeinbußen zu kämpfen hast, solltest du die Zeit also nutzen und dafür sorgen, dass du nach der Krise von deinen Kunden gefunden wirst.
Apropos gefunden werden: Lokale Händler und Gastronomie-Betriebe, aber auch alle sonstigen Unternehmen mit festem Standort, an dem Kunden empfangen werden, sollten ein Google My Business Profil erstellen. In den Google Suchergebnissen werden diese Profile prominent dargestellt. Stelle dort möglichst viele Informationen zu deinem Business zur Verfügung, insbesondere auch Fotos! Ein Google MyBusiness Profil kannst du kostenlos erstellen und profitierst davon in jedem Fall.
Wer bereits ein Google MyBusiness Profil hat, der sollte die Daten nun unbedingt auf Aktualität überprüfen. Denn gerade jetzt, wo eine allgemeine Unsicherheit zu Öffnungszeiten herrscht, solltest du deine eigenen Öffnungszeiten immer aktuell halten. Nichts frustriert Kunden mehr, als wenn sie nach einer Google Recherche davon ausgehen, dass du geöffnet hast, und dann vor verschlossenen Türen stehen.
Ob man will oder nicht: Im Moment ist praktisch jeder zu Hause. Wenn du deine Kunden oder potenzielle Neukunden ansprichst, dann solltest du genau das im Hinterkopf haben.
Wenn du Kunden im B2B hast, dann bedeutet das, dass du sie nicht wie gewohnt im Büro erreichst. Sowohl die telefonische Kontaktaufnahme als auch die per Post sind also wenig sinnvoll, weil die Wahrscheinlichkeit, niemanden zu erreichen, groß ist. Setze im B2B also lieber ausschließlich auf digitale Kanäle, das erhöht die Chancen, dass du deine Zielgruppe erreichst.
Bei Privatkunden sieht die Lage anders aus. Hier kann es gerade sinnvoll sein, Kontakt per Post aufzunehmen, beispielsweise mit einer ansprechenden Postkarte. Denn wenn der Weg zum Briefkasten der einzige ist, der am Tag vor die Tür führt, dann wird die Freude groß sein, wenn auch etwas darin liegt. Auch telefonisch sind die meisten Kunden derzeit wohl besser erreichbar denn je. Aber hier gilt es, sich streng an die gesetzlichen Regelungen zu halten, wann die telefonische Kontaktierung von Privatkunden überhaupt zulässig ist.
Nicht nur bei der Auswahl des Kanals solltest du berücksichtigen, dass du deine Zielgruppe zu Hause erreichst, sondern auch bei den Inhalten, mit denen du sie kontaktierst. Wenn Online-Händler Bestellungen eine Überraschung für vermutlich gelangweilte Kinder beilegen oder eine Sprüche-Postkarte, die ein Lächeln ins Gesicht zaubert und ihren Weg an den Kühlschrank findet, dann sind das Kundenbindungsmaßnahmen, die sich langfristig auszahlen werden.
Mit Marketingmaßnahmen erreicht man neue Kunden - so die landläufige Meinung. Dabei wird ein ganz wichtiger Teil des Marketing vergessen: Die Kundenbindung.
In Marketingmaßnahmen zu investieren, die die eigenen Kunden halten, ist nicht nur in Krisenzeiten wie diesen wirtschaftlich sehr viel sinnvoller, als immer nur auf die Gewinnung von Neukunden zu setzen. Aktuell aber ist es das ganz besonders.
Daher solltest du bei allem, was du gerade tust, deine bestehenden Kunden im Blick behalten. Und zwar auch dann, wenn deine Produkte in der aktuellen Krise an Relevanz verlieren.
Verschwinde nicht in der Versenkung, bleibe sichtbar. Früher oder später wird wieder "Normalität" herrschen und spätestens dann sollen deine Kunden sich an dich erinnern!
Kundenbindung - das kann in diesen Zeiten ganz verschiedenes heißen. Grundsätzlich geht es darum, zu seinen Kunden Kontakt zu halten und sie zu informieren. Sorge also dafür, dass sie auf deiner Webseite, am Telefon und über sonstige Kanäle Antworten auf die Fragen erhalten, die sie sich gerade stellen. Und scheue dich nicht davor von dir aus den Kontakt zu den Kunden zu suchen, um sie über die aktuelle Lage im Unternehmen informiert zu halten. Selbst wenn du unsicher bist, ob die Infos in drei Tagen noch zutreffen, ist es besser einmal mehr als einmal weniger mit den Kunden zu kommunizieren.
Kundenbindung bedeutet auch, kulant zu sein. Auch dann, wenn das aus Unternehmenssicht in diesen Zeiten nicht immer ganz einfach ist, weil du selbst in finanziellen Schwierigkeiten steckst. Aber was bringt es einem Hochzeits DJ sein Honorar einzufordern, wenn die Hochzeit nicht stattfindet? Darüber erhält er garantiert keine Empfehlungen, die neue Kundenaufträge sichern. Viel besser wäre es also, auf das Honorar zu verzichten und darauf zu setzen, im Anschluss an die Krise zu einem neuen Hochzeitstermin beauftragt zu werden. Sinnvoll kann es auch sein, mit den Kunden eine Anzahlung zu vereinbaren, die über den finanziellen Engpass hinweg hilft und den Kunden im Anschluss einen Rabatt bei der zweiten Rate gewährt.
Auch bei Gutscheinen und Umtauschfristen solltest du deinen Kunden gegenüber kulant sein - das bringt dir langfristig auf jeden Fall sehr viel mehr, als wenn du jetzt auf dein Recht pochst.
Und wer es sich leisten kann, der lasse sich von Aktionen inspirieren, die beispielsweise die Deutsche Telekom gemacht hat: So schenkt die Deutsche Telekom ihren Mobilfunkkunden in der Corona-Krise 10 Gigabyte Datenvolumen extra pro Monat.
Auch wenn wir uns hier für Kundenbindung stark machen, bedeutet das natürlich nicht, dass man die Gewinnung von Neukunden während der Corona-Krise vollkommen außer acht lassen sollte.
Vielmehr kann es Sinn machen, Kundengruppen ins Visier zu nehmen, die bisher nicht zur eigenen Zielgruppe gehörten. Denn die Veränderungen im Alltag erfordern von vielen Menschen neue Verhaltensweisen.
So ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass beispielsweise Lebensmittel-Lieferanten ganz neue Kundengruppen erschließen werden - ganz einfach deshalb, weil aus Angst vor Ansteckung viele Kunden nicht mehr in die Ladengeschäfte gehen. Auch an vielen anderen Stellen wird der Online-Handel neue Kunden gewinnen, weil lokale Geschäfte geschlossen sind.
Diese neuen Kundengruppen aber kann man nicht ohne weiteres so behandeln wie Kunden aus den bisherigen Zielgruppen. Denn es gibt triftige Gründe dafür, dass man diese Menschen bisher nicht für die eigene Leistung gewinnen konnte. Gerade ältere Menschen, die im Online-Handel bisher weniger aktiv waren, bedürfen nun also einer besonderen Behandlung. Andernfalls wird man sie langfristig nicht zu den eigenen Kunden zählen können.
Überlege daher besondere Maßnahmen, wie du beispielsweise durch telefonische Begleitung neue Kundengruppen an dein Unternehmen heranführen kannst.
Neben allem anderen, was die Corona-Krise bewirkt, ist sie auch ein verbindendes Element in der Gesellschaft. Wir alle sind in irgendeiner Weise von ihr betroffen. Für jeden einzelnen gelten Beschränkungen und der Alltag hat sich für jeden irgendwie verändert.
Dieses verbindende Element kannst du nutzen. Zeige deinen Kunden, dass auch dein Unternehmen von der Krise betroffen ist. Kommuniziere ehrlich, erzähle von Schwierigkeiten und davon, wie du diese bewältigst, um die Kunden zu bedienen.
Einerseits geht es darum, deinen Kunden ein beruhigendes Gefühl zu geben, indem du deutlich machst, dass du gewappnet bist, dass du so professionell arbeitest, dass sich jeder Kunde bei dir weiterhin gut aufgehoben fühlen kann.
Auf der anderen Seite darfst du aber auch Schwächen zeigen, die deutlich machen, dass es dir nicht anders geht, als deinen Kunden selbst. Poste Bilder aus dem Home Office, zeige, wie du improvisierst. Wenn du Telefonate führst oder ein Webinar hältst, dann entschuldige dich doch gleich vorweg für mögliches Kindergeschrei im Hintergrund, weil du aus dem Home Office arbeitest.
Zeige dich also nahbar und beziehe dabei deine Mitarbeiter mit ein. Danke ihnen öffentlich für ihren Einsatz, lass deine Kunden an deren neuem Arbeitsalltag teilhaben und mache so deine Mitarbeiter zu Markenbotschaftern für dein Unternehmen.
E-Mail, Pinterest, Post, Instagram, LinkedIn, Messen, Webinare, Podcast, Xing, Facebook, YouTube … Es gibt so unglaublich viele Kanäle, die man fürs Marketing nutzen kann, dass es mehr als sinnvoll ist, sich auf einige wenige zu beschränken - gerade dann, wenn man Selbstständiger oder kleines Unternehmen ist.
Die Kanäle, für die du dich bisher entschieden hast, sind nun möglicherweise aber nicht mehr die richtigen, um in der Corona-Krise dein Geschäft am Laufen zu halten. Daher solltest du dich ganz bewusst die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, neue Kanäle zu erschließen,
Und dann solltest du genau dies auch TUN! Auch wenn die aktuelle Situation durchaus lähmend erscheinen mag: Halte dagegen und wage Neues, sieh die Krise in dieser Hinsicht als Chance.
Auf der einen Seite sind es vor allem diverse digitale Kanäle, die du für dich erschließen solltest. Denn digital sind Menschen aktuell am besten zu erreichen. Mancher Kanal kann sogar dabei helfen, das eigene Produkt so anzupassen, dass es in diesen Zeiten weiterhin vertrieben werden kann. Beispielsweise können Berater, die in der Regel persönlichen Kundenkontakt pflegen, sei es in Einzelcoachings oder in Form von Workshops und Fortbildungen, diese Angebote nun in digitaler Form weiterhin anbieten. Dies eröffnet einen völlig neuen Geschäftszweig - möglicherweise auch über Corona hinaus.
Auch audiovisuelle Inhalte wie Erklärvideos können als Kanal einen echten Mehrwert bieten. Insbesondere für Anbieter von erklärungsbedürftigen Produkten kann dieser sehr sinnvoll sein und steht sicherlich auch schon auf irgendeiner Liste mit Dingen, die du mal angehen wolltest, wenn mal Zeit ist. Egal ob gerade Zeit ist oder nicht: Der Zeitpunkt ist auf jeden Fall der richtige, um einen solchen neuen Kanal auszuprobieren
Auf der anderen Seite passen auch analoge Kommunikationskanäle wie die Post sehr gut zur aktuellen Krise. Der Blick in den Briefkasten hat in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen eine andere Bedeutung bekommen. Viele Menschen können in der Entschleunigung, die die Krise zwangsläufig mit sich bringt, auch etwas positives sehen. Und selbst die Kanzlerin hat in ihrer Fernsehansprache die Idee aufgebracht, doch mal wieder einen Brief zu schreiben, um Menschen auch mit Abstand nahe zu sein.
Warum den Kunden also nicht eine Postkarte schicken, die Mut macht und zum Lächeln bringt? Mit digitalen Plattformen wie EchtPost lassen sich solche postalischen Mailings auch von Selbstständigen und Kleinunternehmern mit geringem Aufwand professionell verschicken.
Übrigens: Wer neue Kanäle testet, der bekommt jetzt den sogenannten Welpenbonus. Wenn es beim ersten Webinar beispielsweise technische Schwierigkeiten gibt, wenn der Ton fehlt oder das Bild wackelt, dann wird man dir das kaum übel nehmen. Wer normalerweise als unprofessionell gelten würde, bei dem drückt man aktuell gerne zwei Augen zu - weiß doch jeder selbst, wie schwierig die aktuelle Situation ist.
In Zeiten von Corona Werbung zu machen, ist das eine. Mit Corona selbst Werbung zu machen und so die Krise für die eigene Profitabilität zu nutzen, ist eine ganz andere Sache und sollte unbedingt unterlassen werden. Diverse Werbeplattformen haben bereits deutlich gemacht, dass Kampagnen, in denen Panik verbreitet wird oder die darauf abzielen, dass Unternehmen sich durch die Corona Krise bereichern, nicht geduldet werden.
Ob und wie du als kleines Unternehmen aktuell Marketing betreiben solltest, dafür gibt es keine klare Antwort. Denn zu unterschiedlich ist die Situation, in der wir alle uns gerade befinden.
Während die Produkte des einen in der Krise einen Aufschwung erleben, hat der andere mit riesigen Umsatzeinbußen zu kämpfen.
Während die Kunden des einen voller Optimismus das beste aus der aktuellen Situation machen, sind die Kunden des anderen voller Ängste und Sorgen.
Und während der eine von euch allein im Homeoffice ohnehin am produktivsten arbeiten kann, liegen beim anderen die Nerven blank, weil drei Kinder nebenher betreut werden wollen.
Wichtig in allen Fällen aber ist: Stecke den Kopf nicht in den Sand, bleibe sichtbar - so gut das eben aktuell möglich ist. Und bleibe nicht stehen, sondern treffe Entscheidungen. Sven Schmidt, Geschäftsführer von Maschinensucher.de rät im OMR-Podcast: „Man muss jetzt Entscheidungen treffen. Und lieber trifft man zehn Entscheidungen, auch wenn einige davon falsch sind, als gar keine."
Versuche also, die Zeit für dein Unternehmen zu nutzen. So gut es geht. Und wenn es keinen Sinn macht, deine Produkte und Leistungen aktuell zu bewerben, dann nutze die Zeit für andere Dinge rund ums Marketing.
Der Präsident des Deutschen Marketing Verband (DMV) Dr. Ralf Strauß sagt im Interview mit der absatzwirtschaft: "Marketing- und Vertriebsverantwortliche in ganz Europa haben uns immer wieder gemeldet, dass sie einen extremen Rückstand an Themen und Projekten haben, weil sie keine Zeit finden, sie anzupacken, wie etwa die Entwicklung einer neuen Marketing-Organisation, das Überdenken des Kompetenzrasters im Marketing oder auch aller Konzepte rund um das Customer Experience Management … vielleicht ist das Drücken der „virusbedingten Stopp-Taste" ein guter Anlass, diese Themen einmal aufzugreifen und ihnen Zeit zu widmen."
Uns bleibt zum Abschluss nur zu sagen:
Bleib optimistisch. Und vor allem: Bleib gesund!
Auch nach der Corona-Krise versorgen wir Selbstständige und kleine Unternehmen mit kreativen Marketing Ideen. Registriere dich jetzt kostenlos für unseren vierteljährlichen Newsletter und erhalte als Dankeschön unseren Marketing Kalender 2020, der viele Anlässe für Marketingaktivitäten von Selbstständigen und kleinen Unternehmen liefert.
6. Social Media Kanäle nutzen
Wie das Magazin Pressesprecher unlängst berichtete, sorgt Corona für einen Social Media Boom. Kein Wunder, sind soziale Kontakte im "echten" Leben stark eingeschränkt. Soziale Netzwerke werden also verstärkt genutzt, um Kontakte aufrecht zu erhalten.
Unternehmen sind daher gut beraten, ihre eigenen Aktivitäten in sozialen Netzwerken aufzubauen oder zu verstärken. Das gilt sowohl für Kanäle wie Facebook oder Instagram, als auch für Plattformen, die im Business-Umfeld genutzt werden, also insbesondere LinkedIn und Xing. Gerade Unternehmen, die normalerweise über Messen und sonstige Veranstaltungen Kontakte aufbauen und pflegen, werden sich nun vermehrt in sozialen Netzwerken bewegen.
Bei der Ansprache neuer Kontakte ist allerdings Vorsicht geboten: Du weißt nicht, ob diese ebenso motiviert wie du am Schreibtisch sitzen oder sich um einen Corona-Patienten im Familienumfeld sorgen. Daher gilt hier genauso wie bei der Ansprache über alle anderen Kanäle: Sei behutsam.